Angaben zu den einzelnen Weinen sowie Informationen zu Nährwerten und Zusatzstoffen finden Sie auf den jeweiligen Detailseiten.
PLÄDOYER FÜR RIESLING
55,90 €
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Die Königin der Weißweine hat gerade einen schweren Stand – Konsumzahlen in Deutschland sind rückläufig, das Interesse an Grauburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc scheint ungebrochen, und der Riesling schaut in die Röhre. An der Qualität der Weine kann es nicht liegen – hier sind sich alle Expertinnen einig. Gerade die kühleren Lagen innerhalb der deutschen Anbaugebiete vermögen es auch in Zeiten des Klimawandels, Großartiges hervorzubringen. Woran es dann liegt? Am Image! Und wir in der Weinbranche sind mit einem oftmals rückgerichteten Blick auch noch teilweise selbst daran schuld.
Bitte hört auf, die Geschichte von „deutsche Rieslinge waren mal die teuersten der Welt!“ zum zigtausendsten Mal zu erzählen, in der Hoffnung, dass sich durch das gebetsmühlenartige Wiederholen dieser Weisheit auch nur eine einzige Flasche Riesling mehr verkauft. Die Sorte hat nämlich heute kein Qualitätsproblem – im Gegenteil, sie leidet einfach nur unter der Ideenlosigkeit ihrer Vermarktung.
Klopft man dem Riesling kommunikativ einmal die alten Flusen vom Pelz und schaut sich an, was unter seinem Namen in Deutschland gefüllt wird, stellt man eines fest – das ist keineswegs altbacken. Riesling kann die Geschichte von Herkunft erzählen, die Geschichte von einem naturnahen Ausbau, die Geschichte eines Spaßmach-Getränks zum Day-Drinking in Form von restsüßen Kabinett-Weinen und, und, und. Es braucht schlichtweg nicht jedes Mal das Geschichtsbuch, um zu erklären, was Riesling alles so kann – die Sorte spricht für sich.
Ich möchte mit dem Plädoyer allerdings nicht den Anschein erwecken, dass nur die neuen jungen Betriebe in Deutschland noch zeitgemäßen Riesling produzieren. Es gibt wirklich viele zeitlose Stile von akribisch arbeitenden Betrieben, die mit der Zeit gehen und Jahr für Jahr absolute Weltspitze auf die Flasche bringen. So ist die Auswahl meiner drei Rieslinge für dieses Plädoyer bunt gemischt – was alle gemeinsam haben, ist aber ein zeitloser Blick, eine eigene Weinidee und eine Trinkreife, die es ermöglicht, alle sofort zu genießen.
Das Paket enthält je eine Flasche dieser 3 Weine:
2021 Riesling Frühtau Monzingen, Weingut Emrich-Schönleber (Nahe)
Für mich ein Musterbeispiel für Kontinuität. Das Weingut Emrich-Schönleber aus Monzingen an der Nahe steht nun wirklich nicht in Verdacht, effekthascherisch seinen Weinstil zu verändern. Alle Weine des Betriebs brauchen ihre Zeit in der Flasche, sind dicht gepackt, spannungsgeladen und frisch wie ein Gebirgsbach. Der Riesling Frühtau 2021 entstammt der VDP Großen Lage Frühlingsplätzchen und verkörpert für mich Jahr für Jahr die Leichtigkeit und Eleganz großer Nahe-Weine. Im über 70 % steilen und gen Süden ausgerichteten Frühlingsplätzchen reifen die Trauben physiologisch sehr gesund aus, was in glockenklaren Rieslingen resultiert. Der säuregeladene 2021er Jahrgang zeigt sich taufrisch und mit für die Lage typischen „frühlingshaften“ Aromenwelten – weiße Blüten, floral duftig, gelbes Steinobst und Bergamotte. Am Gaumen salzig-frisch, sehr leicht und animierend. Ein an Feinheit kaum zu schlagender Riesling und große Klassik zu einem wirklich fairen Kurs.
2020 Riesling Gottsacker, Weingut Seckinger (Pfalz)
Zurück in Deidesheim & der Pfalz – aus dem Herrgottsacker, oder Gottsacker, wie es bei den Seckingers wegen des Lagen-nennungsverbots für Landweine auf dem Etikett heißt, kommt der zweite Wein im Paket. Das Weingut Seckinger ist im Eiltempo zu den innovativsten und besten Betrieben der Pfalz aufgestiegen – und zwar mit der einfachen Rückbesinnung auf aufmerksame Arbeit im Weingarten und kaum Eingriffen im Keller. Der Gottsacker 2020 zeigt sich goldgelb strahlend mit einer herben, verführerischen Nase: Kumquats, Limettenzeste, etwas Quitte und gestoßene Steine. Auf der Zunge ist das für das warme Jahr 2020 überraschend druckvoll und mit einer tragenden Säure sowie einer die Zunge bekleidenden Phenolik ausgestattet. Das ist sicherlich kein Stil für alle, die eine wahnsinnig primärfruchtige Interpretation der Sorte Riesling suchen – gerade deshalb gefällt es mir so gut. New School Pfalz!
2023 Riesling Oestrich Quarzit, Weingut Peter Jakob Kühn (Rheingau)
Für den letzten Wein des Pakets landen wir im Rheingau, genauer gesagt in Oestrich-Winkel, was nicht nur einer der weinbaulich dynamischsten Orte der Region ist, sondern auch mein Zuhause während des Weinbau-Studiums im benachbarten Geisenheim war. Entsprechend häufig habe ich den Paradebetrieb Kühn für zeitgemäßen Rheingau-Riesling besucht und war immer fasziniert von der Ruhe und Besonnenheit, die nicht nur die Familie Kühn, sondern auch ihre Weine ausstrahlen. Der biodynamische Quarzit-Riesling, entstammt allen Oestricher GG-Lagen, wird spontan vergoren und für zehn Monate auf der Hefe im großen Holzfass ausgebaut. Was mit dem 2023er Quarzit gelingt, ist die Verbindung eines strukturell elegant-mineralischen Weinstils und eines saftig-fruchtigen Antrunks, der sowohl die Sorte als auch den Jahrgang 23 auszeichnet. Wohlfühlriesling erster Klasse, der gerne sofort oder auch noch in einigen Jahren getrunken werden möchte.